Attentat auf Tory-Abgeordneten löst Debatte über Sicherheit aus

Der tödliche Messerangriff auf den Tory-Abgeordneten David Amess hat in Grossbritannien eine Debatte über die Sicherheit von Politikern ausgelöst.

Der britische Premierminister Boris Johnson am Tatort des tödlichem Angriffs auf einen britischen Abgeordneten in Leigh-On-Sea. Foto: Alberto Pezzali/AP/dpa (FOTO: Keystone/AP/Alberto Pezzali)
Der britische Premierminister Boris Johnson am Tatort des tödlichem Angriffs auf einen britischen Abgeordneten in Leigh-On-Sea. Foto: Alberto Pezzali/AP/dpa (FOTO: Keystone/AP/Alberto Pezzali)

Wie die Polizei in der Nacht zum Samstag mitteilte, gehen die Ermittler inzwischen von einem terroristischen Hintergrund aus. Der Fall sorgte im ganzen Land für grosse Betroffenheit.

Amess war am Freitag während einer Bürgersprechstunde in seinem Wahlkreis in der Grafschaft Essex von einem Angreifer erstochen worden. Ein 25 Jahre alter Mann wurde wegen Mordverdachts festgenommen. Erste Untersuchungen hätten eine mögliche Motivation in Verbindung zu islamistischem Extremismus ergeben, heisst es in der Mitteilung der Polizei. Die Ermittler gehen von einem Einzeltäter aus. Wie die Nachrichtenagentur PA unter Berufung auf Sicherheitskreise berichtete, soll es sich bei dem Verdächtigen um einen Briten mit somalischer Herkunft handeln.

Amess Parteifreund Tobias Ellwood, der für seinen beherzten Erste-Hilfe-Einsatz nach einem terroristischen Angriff auf das Parlament im Jahr 2017 bekannt wurde, forderte am Samstag die Einstellung physischer Treffen von Angeordneten mit Bürgern, bis eine Überprüfung der Sicherheitsmassnahmen durch das Innenministerium abgeschlossen ist.

Unterhauspräsident Lindsay Hoyle mahnte eine Debatte über die Sicherheit von Politikern an. Es sei aber essenziell, dass die Abgeordneten ihre Beziehung zu den Bürgern aufrechterhalten könnten, sagte Hoyle in der BBC am Freitagabend. Er selbst habe daher seine Sprechstunde selbst nach dem Attentat auf Amess abgehalten. Wir müssen sicherstellen, dass die Demokratie das überlebt, so Hoyle weiter.

Premierminister Boris Johnson besuchte den Tatort in dem südostenglischen Küstenort Leigh-on-Sea am Samstag. Auf Fernsehbildern war zu sehen, wie der Premier und Konservativen-Parteichef einen Kranz an der Kirche niederlegte, die am Freitag zum Schauplatz des Messerangriffs auf Amess wurde. Begleitet wurde er vom Oppositionschef Keir Starmer von der Labour-Partei, der ebenfalls einen Kranz niederlegte. Anschliessend standen die beiden Politiker einige Zeit schweigend nebeneinander. Auch Innenministerin Priti Patel und Hoyle legten Kränze nieder. Patel hatte eine umgehende Überprüfung der Sicherheitsvorkehrungen für Abgeordnete angeordnet.

Britische Abgeordnete, die alle direkt in ihrem Wahlkreis gewählt werden, bieten regelmässig Sprechstunden mit Bürgern an, die auch kurzfristig besucht werden können. Die sogenannten surgeries werden gewöhnlich einmal pro Woche abgehalten und gelten als wichtiger Bestandteil der demokratischen Kultur in Grossbritannien. Auch die Labour-Abgeordnete Jo Cox war 2016 bei einer Bürgersprechstunde von einem Rechtsextremisten ermordet worden. Das Attentat ereignete sich nur wenige Wochen vor dem Brexit-Referendum.

Amess hinterlässt eine Frau und fünf Kinder. Der Katholik aus einer Arbeiterfamilie galt als erzkonservativer Brexit-Befürworter, der sich gegen das Recht auf Abtreibung und für Tierrechte einsetzte. Er war auch ein entschiedener Gegner der Fuchsjagd. Amess sass seit 1983 für die Tories im britischen Parlament, zuerst für den Wahlkreis Basildon, später für Southend West.

(sda)


Daten:

News Redaktion
16.10.21 14:03

Themen:

International

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