Bundesrat beschliesst Impfoffensive ohne Gutscheine für Motivatoren

Der Bundesrat geht in die Impfoffensive: Mit maximal knapp hundert Millionen Franken will er in den kommenden Wochen und Monaten dafür sorgen, dass die Impfquote schneller steigt. Nicht zu den beschlossenen Massnahmen gehören die 50-Franken-Gutscheine für Überzeuger.

Mit zusätzlichen Impfbussen und weiteren flexiblen Angeboten will der Bundesrat die Impfquote in der Schweiz weiter erhöhen. (Archivbild) (FOTO: KEYSTONE/GEORGIOS KEFALAS)
Mit zusätzlichen Impfbussen und weiteren flexiblen Angeboten will der Bundesrat die Impfquote in der Schweiz weiter erhöhen. (Archivbild) (FOTO: KEYSTONE/GEORGIOS KEFALAS)

Die Konsultation habe gezeigt, dass zahlreiche Kantone eine 50-Franken-Belohnung für Impf-Motivatoren ablehnten, schrieb der Bundesrat zu seinem Entscheid vom Mittwoch. Der Entscheid für die Impfung solle nicht durch zusätzlichen Druck oder durch monetäre Anreize gefällt werden, sondern aus gesundheitlichen Überlegungen und aus Solidarität, lautete der Tenor aus den Kantonen.

Gesundheitsminister Alain Berset hatte die Idee der Belohnung vor zwei Wochen selbst als unkonventionell bezeichnetet. Forscher sagten, es sei möglich, dass sich die Impfquote mit diesen anvisierten Impfgutscheinen erhöhen lasse. Eine Evidenz sei aber schwierig nachzuweisen.

Auch ohne Gutscheine besteht die nun vom Bundesrat beschlossene Impfoffensive aus mehreren Pfeilern: aus einer nationalen Impfwoche vom 8. bis 14. November, aus einer Aufstockung von mobilen Beratungs- und Impfstellen für einen niederschwelligen Zugang zur Impfung und aus einem neuen Beratungsangebot mit geschulten Personen für individuelle Gespräche.

Dadurch sollen Unentschlossene während mehrerer Wochen informiert und zu einem individuellen und möglichst einem positiven Impfentscheid bewegt werden, wie der Bundesrat schreibt. Die Impfung bleibt das beste Mittel für den Ausstieg aus der aktuellen Krise. Für eine Aufhebung der Schutzmassnahmen sei die Impfquote in der Schweiz noch zu tief.

Bei den erwachsenen Personen sind nach aktuellen Angaben des Bundes derzeit gut 71 Prozent vollständig geimpft. Damit die geltenden Massnahmen wie die ausgeweitete Zertifikatspflicht aufgehoben werden könnte, wäre laut dem Bundesrat eine Quote von 80 Prozent bei den 18- bis 65-Jährigen und von 93 Prozent bei den über 65-Jährigen nötig.

Gegenüber dem Konsultationsentwurf vor zwei Wochen nahm der Bundesrat neben dem Verzicht auf die 50-Franken-Gutscheine nur wenige Änderungen vor. Kurz gesagt lässt er den Kantonen mehr Spielraum bei der Umsetzung der Impfoffensive, indem er keine nummerischen Vorgaben betreffend Impfmobile und Berater macht.

Der Bundesrat ruft die Kantone, die Gemeinden und andere Partner generell dazu auf, Informationsveranstaltungen oder lokale Anlässe zur Information der Bevölkerung zu organisieren. Die Landesregierung wird sich in einem Brief an die Bevölkerung wenden, um die Bedeutung der Impfung zu unterstreichen.

Zudem soll die Zahl der mobilen Beratungs- und Impfstellen deutlich erhöht werden, wie der Bundesrat schreibt. Momentan gibt es rund fünfzig solcher Angebote. Schliesslich sollen Beratungspersonen impfwillige Menschen beispielsweise dabei unterstützen, ein Impfzentrum zu finden, eine Ärztin oder einen Arzt zu kontaktieren oder eine Übersetzerin oder einen Übersetzer hinzuzuziehen.

Für den Bund fallen durch die Impfoffensive maximale Kosten von 96,2 Millionen Franken an, wie es in der Mitteilung heisst. Verglichen mit den Kosten der Wunschtests von rund 50 Millionen Franken pro Woche sei diese Investition nachhaltig.

Im Schnitt könne pro 100 Impfungen eine Hospitalisierung und pro 250 Impfungen eine Belegung auf der Intensivstation vermieden werden. Hinzu komme, dass durch die Vermeidung von Betriebsschliessungen weitere Kosten gespart werden könnten.

Die Kantone zeigten sich in den vergangenen Tagen bereit, die Impfanstrengungen noch einmal zu intensivieren. Sie wiesen den Bund jedoch darauf hin, dass ihnen die Fachkräfte fehlen. Dieser Mangel lasse sich mit finanzieller Unterstützung durch den Bund nicht einfach beheben, hiess es verschiedentlich.

(sda)


Daten:

News Redaktion
13.10.21 15:30

Themen:

Schweiz

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