"e-Franken" statt Bitcoin - Ruf nach digitalen Zentralbank-Währungen


Roman Spirig
Schweiz / 03.07.19 11:23

Die Höhenflüge des Bitcoin und neue Entwicklungen wie die geplante Facebook-Währung "Libra" lassen den Ruf nach eigenen digitalen Währungen von Zentralbanken lauter werden. Die Einführung einer solchen Digitalwährung hätte allerdings Auswirkungen auf das gesamte Finanzsystem.

e-Franken statt Bitcoin - Ruf nach digitalen Zentralbankwährungen (Foto: KEYSTONE / ALESSANDRO DELLA BELLA)
e-Franken statt Bitcoin - Ruf nach digitalen Zentralbankwährungen (Foto: KEYSTONE / ALESSANDRO DELLA BELLA)

Die Schweizerische Nationalbank (SNB) gibt sich immer noch sehr zurückhaltend. Klar ist aber: Die Debatte um Digitalgeld nationaler Zentralbanken hat in den vergangenen Monaten deutlich an Fahrt aufgenommen. Dabei sind einige Länder vorgeprescht: So hatte Uruguay bereits im November 2017 versuchsweise für sechs Monate eine limitierte Anzahl an "e-Peso" in Umlauf gebracht. Weit fortgeschritten ist auch das "e-krona"-Projekt der schwedischen "Riksbank". In dem nordeuropäischen Land ist der Gebrauch von Bargeld wegen "Fintech"-Innovationen in den vergangenen Jahren drastisch geschrumpft.

Nicht zu den Vorreitern gehört dagegen die Schweizerische Nationalbank (SNB), die im Mai eine wissenschaftliche Konferenz zum Thema Kryptowährungen veranstaltet hatte. "Eine digitale Zentralbankwährung für die breite Öffentlichkeit steht für die SNB zurzeit nicht im Vordergrund", erklärte eine Sprecherin auf AWP-Anfrage.

Die SNB verfolge aber die Studien anderer Zentralbanken und "beteiligt sich auch am Dialog zwischen den Marktteilnehmern", so die SNB-Sprecherin. Sich ändernde Kundenbedürfnisse könnten auch mit Anpassungen des aktuellen Systems adressiert werden, hielt sie fest.

Fintech-Innovationen wie zuletzt der "Libra"-Coin von Facebook dürften den Druck auf die Zentralbanken allerdings hoch halten, hält etwa auch Wirtschaftsprofessor Fabian Schär vom "Center for Innovative Finance" der Universität Basel fest. "Kleinere Zentralbanken könnten durch diese Entwicklung unmittelbar bedroht werden - langfristig könnten sie aber auch für grosse Zentralbanken zum Problem werden."

Für die Ausgestaltung von digitalen Zentralbankenwährungen (Central Bank Digital Currency CBDC) stehen diverse Möglichkeiten zur Auswahl. Im Zentrum der Überlegungen stehen aber vor allem für das breite Publikum verfügbare Konten bei den jeweiligen Zentralbanken.

Weniger in Betracht gezogen werden dagegen anonymere "Zentralbank-Token". Eher ablehnend stehen viele Zentralbanker zudem der beim Bitcoin eingesetzten Blockchain-Technologie gegenüber, die noch als unausgereift angesehen wird.

Die Einführung von "Zentralbankgeld für alle" könnte allerdings das heutige Bankensystem grundlegend in Frage stellen, wie die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) im vergangenen Jahr in einer viel beachteten Studie mahnte.

Denn heute können etwa in der Schweiz im wesentlichen nur Finanzinstitute Konten bei der SNB führen. Das "breite Publikum" muss sein Geld bei den Geschäftsbanken deponieren, welche die Guthaben weiterverleihen. Ein breit verfügbares digitales Zentralbankgeld würde insofern einem "Vollgeld" entsprechen, wie es im vergangenen Jahr in einer Volksinitiative gefordert worden war.

Mit der BIZ warnt etwa auch der deutsche Bundesbank-Präsident Jens Weidmann vor einer Gefährdung der Finanzstabilität: "Digitales Zentralbankgeld für jedermann könnte die Geschäftsmodelle von Banken grundlegend verändern", sagte er im Mai an einem Symposium. Den Banken drohe nämlich eine "Flucht in Sicherheit" oder gar "digitale Bank Runs" in Richtung der risikofreien Zentralbank-Guthaben.

Die Warnungen vor "Bank Runs" und einer gefährdeten Finanzstabilität bei der Einführung digitaler Zentralbankwährungen ernten allerdings Widerspruch von einer Reihe von Ökonomen: "Dieses Argument finde ich bedenklich, da es implizit unterstellt, dass Geschäftsbanken nur aufgrund der fehlenden Optionen in der Lage sind, Kunden zu halten", sagt Schär. Zudem seien auch Massnahmen wie Limiten für digitales Zentralbankgeld oder Zinsmassnahmen denkbar.

Für die Schweiz erwartet auch Schär in der nächsten Zeit allerdings keine Schaffung einer "öffentlich und uneingeschränkt verfügbaren SNB-Digitalwährung". "In der mittleren Frist" könnte seines Erachtens aber durchaus ein "halbgeschlossenes eFranken-System" entstehen, meint der Basler Ökonom.

Die SNB verweist derweil auf die Pläne der Schweizer Börse SIX: Diese überlegt derzeit den Einsatz eines "stable coin", also einer an den Franken gebundenen Digitalwährung, für die Abwicklung von Finanzmarkttransaktionen auf ihrer künftigen Blockchain-Handelsplattform SDX. "Die SNB ist in regem Austausch mit der SIX über dieses Projekt", so die SNB-Sprecherin.

(sda / redaktion)


Anzeige

Das könnte Sie auch interessieren

Geklärt: Ausweichmanöver führte zu Lastwagen-Absturz in Silenen
Regional

Geklärt: Ausweichmanöver führte zu Lastwagen-Absturz in Silenen

Der Absturz eines Lastwagens über rund 300 Meter von der Bristenstrasse in Silenen dürfte auf ein Ausweichmanöver zurückzuführen sein. Der Lenker kreuzte am Dienstag mit einem Lieferwagen und kam dabei über den Fahrbahnrand hinaus.

Federer vor Final:
Sport

Federer vor Final: "Wenn es einen noch härteren Brocken gibt, dann Novak"

Roger Federer äusserte sich nach seinem 16. Sieg im 40. Duell mit Rafael Nadal über das erste Aufeinandertreffen der beiden in Wimbledon nach elf Jahren sowie den Final am Sonntag gegen Novak Djokovic. Der Serbe hat 15. Grand-Slam-Titel und damit fünf weniger als Federer auf dem Konto. Im direkten Vergleich führt Djokovic 25:22, unter anderen gewann er auch die Wimbledon-Finals 2014 und 2015 gegen Federer.

Supermoto Bäretswil
Events

Supermoto Bäretswil

Spannender Supermoto Rennsport am 13. und 14. Juli in Bäretswil.

Weiterbildungsgelder wurden für Chefärztin-Abschiedsfest in Zuger Klinik verwendet!
Regional

Weiterbildungsgelder wurden für Chefärztin-Abschiedsfest in Zuger Klinik verwendet!

Die Abschiedsveranstaltungen der langjährigen Chefärztin der Psychiatrischen Klinik Zugersee im Jahr 2017 sind mit Geldern bezahlt worden, die für Weiterbildung bestimmt waren. Die Finanzkontrolle der Konkordatskantone Uri, Schwyz und Zug kritisiert die Verwendung von 53'000 Franken.