Infantino wie Blatter 2007


Roman Spirig
Sport / 05.06.19 14:09

Der FIFA-Kongress in Paris brachte keine Überraschung. Gianni Infantino wurde per Akklamation als Präsident des Weltfussballverbandes für die nächsten vier Jahre bestätigt. Das gute Geschäftsergebnis ermöglichte Infantino weitere monetäre Versprechen an die Verbände.

Infantino wie Blatter 2007 (Foto: KEYSTONE / AP / Francois Mori)
Infantino wie Blatter 2007 (Foto: KEYSTONE / AP / Francois Mori)

Infantino, der den Weltfussballverband seit Februar 2016 anführt, war bei der Präsidenten-Wahl für die Amtsperiode von 2019 bis 2023 ohne Konkurrenz. Mangels Gegenkandidaten und dank des im Vorfeld erhaltenen Zuspruchs sämtlicher Konföderationen genügte der Applaus der 211 Verbandsvertreter, um den 49-jährigen Walliser im Amt zu bestätigen. "Danke an alle die mich lieben und alle die mich hassen. Heute liebe ich jeden", kommentierte Infantino.

Finanziell hat die FIFA das Zwischentief dank Milliarden-Einnahmen aus der WM 2018 überwunden und die Erwartungen deutlich übertroffen. Der Überschuss für den Zyklus von 2015 bis 2018 betrug insgesamt 1,05 Milliarden Dollar, die Reserven stiegen auf nunmehr 2,75 Milliarden Dollar an, was einem Plus von 80 Prozent entspricht. Der Gewinn im WM-Jahr 2018 belief sich auf den Rekordwert von 1,75 Milliarden Dollar. "Great News", befand Infantino. Für 2020 rechnet der Verband mit einem Minus von 624 Millionen Dollar.

Am 69. FIFA-Kongress präsentierte sich Infantino den Funktionären aus den 211 Mitgliedsländern als erfolgreicher Reformer und engagierter Manager. Unter ihm habe die FIFA die Skandaljahre hinter sich gelassen. "Die Organisation hat sich von einem toxischen, fast kriminellen Zustand gewandelt zu einem Zustand, wie er sein sollte. Die FIFA kümmert sich um den Fussball", sagte Infantino in seiner Rede. "Transparenz der Geldflüsse. Das war die Essenz der Krise von der FIFA. Heute ist alles offen und transparent. Es ist nicht mehr möglich, bei der FIFA Zahlen zu verstecken oder etwas Unkorrektes zu machen. Wir wissen genau, woher jeder Dollar kommt und wohin jeder Dollar geht. Wir haben keinen Platz mehr für Korruption bei der FIFA. Null Toleranz", so Infantino weiter.

Viele sehen das anders. In seiner ersten Ägide verloren immer noch vier Mitglieder des FIFA-Rats aufgrund von nachgewiesener Korruption oder Vorwürfen ihren Platz oder traten zurück. Externe Kritiker werfen dem Präsidenten einen autokratischen Führungsstil und die Aufweichung der Demokratie-Reformen vor. Wer auf eine signifikante Kursänderung nach der Ära von Sepp Blatter gehofft hatte, wurde enttäuscht. Auch die Politik des Blatter-Nachfolgers zielt auf die Machterhaltung ab.

In seinem ersten Jahr an der Spitze des Weltverbandes tauschte Infantino 81 Personen aus, er blähte die WM von 32 auf 48 Teilnehmer (ab 2026) auf und erlangte die Kontrolle über die Ethikkommission, deren Unabhängigkeit somit nicht mehr gegeben ist. Er suchte die Nähe zu den Mächtigen und Potenten der Weltpolitik und wäre bereit, den Fussball an sie zu verkaufen. Darauf lassen seine gescheiterten Bemühungen für eine mit 25 Milliarden Dollar aus Saudi-Arabien vergoldete neue Klub-WM schliessen, bei der es sich Recherchen der "Süddeutschen Zeitung" zufolge um einen verklausulierten Verkauf der WM-Rechte gehandelt hätte.

Kurz vor seiner Wiederwahl hatte Infantino zwar Fehler eingeräumt, insgesamt aber ein überaus positives Fazit seiner ersten Amtszeit gezogen. "Die letzten drei Jahre und vier Monate waren sicherlich nicht perfekt, ich habe Fehler gemacht. Ich habe versucht, mich zu verbessern, aber heute am Wahltag spricht keiner mehr über Krisen. Niemand spricht mehr von Skandalen, niemand spricht mehr von Korruption", sagte Infantino, der dank den glänzenden Geschäftszahlen und monetären Versprechen gestärkt aus dem Kongress hervorging. Bis 2022 versprach er den Mitgliedsverbänden über das Forward-Programm 1,75 Milliarden Dollar.

Erstmals seit 2007, als Sepp Blatter zum zweiten Mal im Amt bestätigt wurde, gab es keine Abstimmung, sondern eine Wahl per Akklamation. Die dafür nötige Statutenänderung hatten die Delegierten unmittelbar vor der Infantino-Kür bei nur drei Gegenstimmen gebilligt.

(sda)


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