Neue Zuchtstation für Bartgeier im Tierpark Goldau


Roman Spirig
Regional / 04.06.19 14:42

Der Tierpark Goldau hat eine neue Zuchtstation für Bartgeier. Die Anlage, in der auch andere Tiere wohnen können, soll dazu beitragen, dass der "König der Lüfte" in den Alpen wieder seinen festen Platz erhält.

Der Natur- und Tierpark Goldau ist seit rund 20 Jahren an der Aufzucht von Bartgeiern beteiligt. Der erste Bruterfolg konnte im Jahr 2000 verbucht werden. Seither wurden 16 Jungvögel aufgezogen, von denen fast alle in den in- und ausländischen Alpen ausgewildert wurden. Die restlichen gingen an andere Zuchtstationen.

Der zu Unrecht als Lämmerdieb verschriene Greifvogel, der sich vor allem von den Knochen verendeter Tiere ernährt, war vor rund hundert Jahren ausgestorben. Jahrzehnte später folgte ein Umdenken: 1986 wurde der erste Bartgeier in Österreich ausgewildert mit dem Ziel, in den Alpen wieder eine Population aufzubauen. Seither wurden über 220 Jungvögel im Alpenraum ausgesetzt und dort ebenso viele Wildbruten gezählt.

Weil die alte Zuchtstation zunehmend unbrauchbar wird, entschied sich der Tierpark Goldau für einen Neubau. Der Tierpark betätige sich auch im Natur-, Arten- und Tierschutz, sagte Tierparkdirektorin Anna Baumann am Dienstag bei der Eröffnung der neuen Anlage.


Die 430‘000 Franken teure Station ist aus Lärchenholz. Sie besteht aus sechs Arealen, in denen die Brutpaare ihre Jungvögel aufziehen können. Ein Sichtschutz sorgt dafür, dass sich die Paare alleine fühlen, denn wenn andere Vögel Sicht auf ihren Horst haben, brüten sie nicht. Ein Maschendrahtzaun schützt die Vögel vor dem Marder.

In jedem der sechs Areale steht auch ein Wasserbecken. Die Voliere ist sonst aber sehr karg eingerichtet. Dies entspreche dem Lebensraum der Bartgeier in der Natur, sagte Tierparkarzt Martin Wehrle. Die Tiere seien relativ anspruchslos.

Bewohnt wird die Voliere zur Zeit vom 36-jährigen Felix und von der 33-jährigen Winnie. Obwohl die neue Zuchtstation schon im Januar in Betrieb genommen wurde, zogen sie erst im Mai in die neue Anlage. Grund dafür ist, dass sie im Januar bereits am Brüten waren. Ihre beiden Jungvögel gehen getrennte Wege: einer bleibt in der Zucht, der andere wird in Spanien in die Freiheit entlassen.

In einem anderen Abteil der Zuchtstation lebt zur Zeit ein Luchs, der auf seine Auswilderung wartet. Die Zuchtstation sei extra so eingerichtet worden, dass sie auch andere Vögel oder Tiere beherbergen könne, sagte Wehrle.

In den Schweizer Alpen ausgesetzt werden die jungen Bartgeier von der Stiftung pro Bartgeier. Stiftungspräsident Daniel Hegglin sagte, Zuchtzentren wie jenes in Goldau seien eine wichtige Basis für die Wiederansiedlung des "Königs der Lüfte".

Die Stiftung hatte in den letzten Jahren Jungvögel im Melchtal OW ausgewildert. Dieses Jahr wurde auf eine Auswilderung verzichtet, dies um der Gefahr von Inzucht zu begegnen.

Hegglin bezeichnete den Bartgeier als Flaggschiff für den kargen und felsigen Lebensraum oberhalb der Baumgrenze. Faszinierend seien etwa seine roten Augen oder sein Bart, aber auch seine Spannbreite von zwei bis drei Metern. Speziell sei auch, dass er im Winter in den Bergen brüte.


Neue Zuchtstation für Bartgeier im Tierpark Goldau (Foto: KEYSTONE / URS FLUEELER)
Neue Zuchtstation für Bartgeier im Tierpark Goldau (Foto: KEYSTONE / URS FLUEELER)

(sda)


Anzeige
Anzeige

Das könnte Sie auch interessieren

Bündner Baufirmen einigen sich mit Kanton über Millionen-Zahlung
Wirtschaft

Bündner Baufirmen einigen sich mit Kanton über Millionen-Zahlung

Neun Bündner Baufirmen haben sich mit dem Kanton auf Vergleichszahlungen von total fünf bis sechs Millionen Franken geeinigt. Es handelt sich um einen Schadenersatz von Unternehmen, die wegen illegaler Absprachen ins Visier der Wettbewerbskommission gerieten.

Gewinne den Jackpot von über 5000.- CHF im versteckten Wort auf Sunshine Radio
Paid Content

Gewinne den Jackpot von über 5000.- CHF im versteckten Wort auf Sunshine Radio

Sunshine Radio sucht jeweils von Montag bis Samstag um 7.50 Uhr ein Wort, das richtig viel Geld einbringen kann. Aktuell sind im Jackpot über Fr. 5000.-. Gesucht wird aktuell das fehlende Wort aus dem Satz von Endo Anaconda.

International

"Ich bin kein Monster" - Knox versucht Befreiungsschlag in Italien

Amanda Knox polarisiert noch immer. In Italien hat sie nach einem sensationellen Mordfall zwei Schuld- und zwei Freisprüche hinter sich. Nun ist die US-Amerikanerin zurückgekehrt. An einem Kongress zu Justizirrtümern in Modena äusserte sie sich am Samstag.

Frauenstreik im Video: Eine Klitoris geht in Zürich auf Wanderung
Regional

Frauenstreik im Video: Eine Klitoris geht in Zürich auf Wanderung

Es war ein ungewohntes Bild: Mitten im Berufsverkehr zogen Aktivistinnen heute Freitagmorgen eine Klitoris im XXL-Format über die Zürcher Hardbrücke.