Roger Federer, der etwas bessere Schweizer


Ladina Meyer
Sport / 04.06.19 19:52

Roger Federer hat das Schweizer Duell beim French Open für sich entschieden. Der Basler bezwang den Waadtländer im nervenaufreibenden und phasenweise hochklassigen Viertelfinal mit 7:6 (7:4), 4:6, 7:6 (7:5), 6:4.

Roger Federer, der etwas bessere Schweizer (Foto: KEYSTONE / EPA / JULIEN DE ROSA)
Roger Federer, der etwas bessere Schweizer (Foto: KEYSTONE / EPA / JULIEN DE ROSA)

Wawrinka tat sein Möglichstes. Er wehrte massenhaft Breakchancen ab und befreite sich aus zahlreichen heiklen Situation. Er steigerte sich nach einem spielerisch verhaltenen Start in den Match und gewann sogar zeitweise die Oberhand. Zum vierten Sieg im 23. Duell mit Federer, zur Wiederholung des Viertelfinal-Erfolges von 2015 an gleicher Stätte, reichte es aber nicht. Nach 3 Stunden und 35 Minuten und einem Regenunterbruch Mitte des vierten Satzes sicherte sich Federer den Halbfinal-Einzug und das erste Duell gegen Rafael Nadal seit Herbst 2017.

Federer war der konstantere der beiden Spieler. Ihm gelang nicht immer alles gleich gut wie im ersten und letzten Satz, als er klar den Rhythmus vorgab und deutlicher dominierte als das Spielverlauf aussagt. Dazwischen tat er sich bei seinen Returnspielen schwerer, traf seltener die richtigen Entscheidungen. Im dritten Satz drohte die Partie aus seiner Sicht sogar zu kippen: Wawrinka schaffte den Servicedurchbruch zum 4:3 und schien angesichts seiner Überlegenheit bei den wichtigen Punkten auf dem Weg zur Satzführung.

Doch ausgerechnet mit dem erstmaligen Vorsprung im Rücken misslang Wawrinka das darauffolgenden Aufschlagsspiel. Mit dem Break zum 4:4 endete eine bemerkenswerte Serie des 34-jährigen Befreiungskünstler: Er hatte zuvor 16 Breakbälle in Folge abgewehrt - acht in der Schlussphase seines Achtelfinals gegen Stefanos Tsitsipas und acht bis dahin gegen Federer. Auch danach löste Wawrinka die eine oder andere schwierige Situation dank seinem starken Service oder dem einen oder anderen Fabelschlag. Er erhöhte das Tempo, dann, wenn sich die Lage zuspitzte. Nur: Dauerhaft diktieren konnte der Lausanner das Spielgeschehen nicht.

Federer wirkte eine Spur abgeklärter und ein bisschen ideenreicher im Duell der beiden Schweizer, die sich nicht aus den Matches, sondern auch aus den Trainings bestens kennen. Sie haben zusammen zahlreiche Davis-Cup-Partien bestritten und im Doppel Olympia-Gold gewonnen. Geheimnisse können sie voreinander keine haben. Um den anderen zu überraschen, musste das Ungewöhnliche kommen und das kam meistens von Federer, etwa mit der Rückhand, die er immer wieder risikoreich einsetzte. Den Match beendet er mit seinem 60. Netzangriff.

In seinem 44. Grand-Slam-Halbfinal, dem achten in Paris, trifft Federer am Freitag auf Rafael Nadal. Der elffache Turniersieger hatte leichteres Spiel als der Schweizer: Er setzte sich gegen den Japaner Kei Nishikori (ATP 7) in weniger als zwei Stunden mit 6:1, 6:1, 6:3 durch. Nadal und Federer werden sich zum 39. Mal gegenüberstehen, aber zum ersten Mal seit dem Herbst 2017, als Federer den Final von Schanghai klar gewann.

Der Basler hat die Duelle nach seiner Rückkehr von der Knieverletzung Anfang 2017 dominiert und steht bei fünf Siegen in Serie. Doch am Freitag sind die Voraussetzungen ganz anders: Erstmals seit über sechs Jahren stehen sich die beiden auf Sand gegenüber. Auf dieser Unterlage hat Federer nur zwei von 15 Begegnungen gewonnen. 2009 siegte er in Madrid, 2007 in Hamburg. In Roland Garros verlor er einmal im Halbfinal und viermal im Final gegen Nadal. Dieser wurde bei seinem Lieblings-Major nur in zwei von 93 Matches bezwungen - von Novak Djokovic 2015 und Robin Söderling 2009. Der kommende Halbfinal ist eine Herausforderung, die Federer gefällt: "Ich bin auch auf Sand zurückgekehrt, um gegen Rafa (Nadal) zu spielen. Jetzt habe ich den Match."

(sda)


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