Rund 142'800 Unterschriften gegen Anti-Terror-Gesetz eingereicht

Über die vom Parlament im Herbst beschlossenen polizeilichen Massnahmen zur Bekämpfung von Terrorismus kann voraussichtlich das Volk befinden. Zwei Komitees haben zusammen rund 142'800 Unterschriften bei der Bundeskanzlei deponiert.

Das Komitee Nein zur Präventivstrafe hat sein Referendum mit rund 87800 Unterschriften eingereicht, wie Tobias Vögeli, Co-Präsident der Jungen Grünliberalen, ausführte. Weitere rund 55000 Unterschriften steuerte der Verein Freunde der Verfassung bei, wie Vorstandsmitglied Christoph Pfluger auf Anfrage bestätigte.

Die Gegner von Nein zur Präventivstrafe kritisieren, dass die im Anti-Terror-Gesetz vorgesehenen Massnahmen gegen potenzielle Terroristen die Grundrechte und die Freiheit jedes Einzelnen schwer einschränkten. Sie sehen die Vorlage als Frontalangriff auf den Rechtsstaat.

Weiter machen sie geltend, dass die Vorlage gegen die Europäische Menschenrechtskonvention verstosse, die das Recht auf Sicherheit und Freiheit statuiert. Die Massnahmen gingen über die Prävention hinaus, argumentieren sie. Sie seien eine Bestrafung, ohne dass eine Straftat begangen oder eine Verurteilung ausgesprochen worden sei.

Besonders stossend ist nach Auffassung der Gegner, dass polizeiliche Massnahmen auch gegen Kinder ab zwölf Jahren angewendet werden können. Dazu gehören unter anderem Kontaktverbote, elektronische Überwachung oder auch das Verbot, das Land zu verlassen. Das Gesetz verstosse deshalb gegen die Uno-Kinderrechtskonvention.

Im Komitee Nein zur Präventivstrafe vertreten sind die Jungen Grünliberalen, die Juso, die Jungen Grünen, die Piratenpartei, der Chaos Computer Club und die Gruppierung Parat. Unter den Unterstützern sind die Demokratischen Juristinnen und Juristen der Schweiz (DJS), die Digitale Gesellschaft, die Gruppe Schweiz ohne Armee, Public Eye und mehrere jungfreisinnige Kantonalparteien.

Das Komitee und auch die Freunde der Verfassung haben sich während der Sammelzeit ausgetauscht, ihre Unterschriften aber schliesslich getrennt eingereicht, wie Vögeli sagte. Ob und in welcher Form es in einem Abstimmungskampf zur Zusammenarbeit kommt, liessen beide Komitee-Vertreter am Donnerstag offen.

Pfluger von den Freunden der Verfassung sagte aber, dass die zwei Komitees ähnliche Argumente hätten. Die Verfassungsfreunde, die bereits gegen das Covid-19-Gesetz das Referendum ergriffen hatten, haben am Donnerstag zum zweiten Mal in einer Woche Pakete mit Unterschriften bei der Bundeskanzlei abgegeben.

Bereits formiert hat sich ein Komitee von SVP, FDP und CVP für die Massnahmen zur Bekämpfung von Terrorismus. Die Schweiz müsse ihre Institutionen gegen Extremismus verteidigen können, schrieb es am Donnerstag. Deshalb brauche es Instrumente, von Prävention über Sanktionen bis zur Informationsbeschaffung. Die in der Vorlage enthaltenen Massnahmen seien verhältnismässig.

(sda)


Daten:

News Redaktion
14.01.21 13:12

Themen:

Schweiz

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