Schweizer Handballer vergeben in Zug erste Chance

Die Schweizer Handballer verpassten die erste Chance, sich für die EM-Endrunde 2020 zu qualifizieren. Das Team von Trainer Michael Suter verlor in Zug gegen Kroatien 28:33.

Schweizer Handballer vergeben in Zug erste Chance (Foto: KEYSTONE / URS FLUEELER)
Schweizer Handballer vergeben in Zug erste Chance (Foto: KEYSTONE / URS FLUEELER)

Mit einem Punktgewinn wären die Schweizer erstmals seit der Heim-EM 2006 an einem grossen Turnier dabei gewesen. Von einem Unentschieden waren die Einheimischen allerdings einiges entfernt. Nach dem 8:7 (16.) gerieten sie bis zur 25. Minute 10:14 in Rückstand, eine Hypothek, die gegen die starken Kroaten nicht mehr wettzumachen war, obwohl die Schweizer alles in die Waagschale warfen.

Zweimal hatten sie die Möglichkeit, auf zwei Tore heranzukommen: Einmal scheiterte der ansonsten überragende Andy Schmid am kroatischen Keeper Matej Asanin (38./18:21), dann unterlief Cédrie Tynowski beim Stand von 19:22 (40.) ein technischer Fehler. Sechs Minuten später führten die Kroaten 26:21, womit die Vorentscheidung vor 6135 Zuschauern gefallen war.

Dennoch wäre es vermessen, von einer Enttäuschung zu sprechen. Die Kroaten gehören zu den absoluten Topteams, waren seit 2003 an jedem grossen Turnier in den Top 6 klassiert. Das spricht Bände. Ausserdem fehlten den Schweizern in der Deckung mit Abwehrchef Samuel Röthlisberger (Ellbogen-Verletzung) und Alen Milosevic (Bandscheibenvorfall) zwei tragende Säulen. Das hatte zur Folge, dass Suter während der Begegnung neue Formationen erfand. Den Innenblock bildeten zunächst Michal Svajlen und Philip Novak. Letzterer hat Jahrgang 1999 und ist bei den Kadetten Schaffhausen noch keine feste Grösse.

"Er spielte kaum in der NLA. Da muss man schon etwas die Realität walten lassen", brachte es Schmid auf den Punkt. Der fünffache MVP der Bundesliga erzielte sagenhafte 15 Tore. Dennoch antwortete er auf die Frage, ob zu viel auf seinen Schultern gelastet habe: "Das finde ich nicht. Wir hatten gute Lösungen. Lenny (Rubin/5 Tore) machte eine sehr gute Partie. Es ist nicht zu vergleichen mit vor zwei, drei Jahren. Ich bin stolz auf die jungen Kerle, wie sie alles geben." Dass er dermassen häufig erfolgreich war, führte Schmid auch darauf zurück, dass die Schweizer im Angriff mehrheitlich mit sieben gegen sechs Feldspieler agierten. "Dann gibt es in der Mitte oft eine Lücke."

Allerdings hatte Schmid das Gefühl, dass die Schweizer in der ersten Halbzeit (13:17) zu viel Respekt bekundeten, in der Deckung und im Angriff zu verhalten agierten. Es war für ihn, als hätten sie eine Bleiweste angehabt. In die gleiche Richtung äusserte sich Suter: "Wir zahlten in der ersten Halbzeit etwas Lehrgeld. Aber wie soll es auch anders sein?" Insgesamt aber war er mit dem Auftritt zufrieden, weshalb er der Mannschaft ein Kompliment machte. "Die Leistung war mehr als ordentlich. Wir kämpften wie die Löwen, zeigten ein grosses Herz. Kroatien spielte richtig gut. Vor einiger Zeit hätten wir diese Partie mit 15 Toren Differenz verloren."

Trotz der Niederlage haben es die Schweizer weiterhin in den eigenen Händen. Sie können sich am Sonntag im Hexenkessel in Novi Sad gegen Serbien gar eine Niederlage mit vier Treffern Unterschied erlauben, um sicher an der EM-Endrunde in Österreich, Schweden und Norwegen dabei zu sein. "Wir sind voller Selbstvertrauen", sagte Suter. Ausserdem hätten sie nun weitere Erfahrungswerte für den Sonntag gesammelt. Das sah auch Schmid so: "Wir lassen nun die Bleiweste in Zug und reisen befreit nach Serbien. Wir werden dort so beflügelt sein, dass wir uns für die EM qualifizieren."

(sda)


Daten:

Roman Spirig
12.06.19 21:56

Themen:

Sport

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