Spiess-Hegglin und Ringier ziehen Urteil weiter


Roman Spirig
Regional / 11.06.19 17:51

Im Rechtsstreit zwischen Jolanda Spiess-Hegglin und dem Ringier-Verlag ziehen beide Parteien das Urteil des Kantonsgerichts weiter. Während Spiess-Hegglin weiterhin eine Entschuldigung fordert, will Ringier keine Genugtuung zahlen müssen.

Spiess-Hegglin und Ringier ziehen Urteil weiter (Foto: KEYSTONE / URS FLUEELER)
Spiess-Hegglin und Ringier ziehen Urteil weiter (Foto: KEYSTONE / URS FLUEELER)

Das erstinstanzliche Urteil hielt fest, der Ringier-Titel "Blick" habe die Persönlichkeit der ehemaligen Kantonsrätin Spiess-Hegglin in der Berichterstattung über die Zuger Sex-Affäre 2014 verletzt. Das Opfer erhielt eine Genugtuung von 20'000 Franken zugesprochen, den Antrag auf die Veröffentlichung einer Entschuldigung wies das Gericht aber ab.

Diese fordert Spiess-Hegglin nun vor dem Obergericht ein. Man habe Berufung gegen das Urteil eingelegt, bestätigte ihre Anwältin auf Anfrage der Nachrichtenagentur Keystone-SDA eine Meldung von CH Media am Dienstag. Es gehe darum, ein Zeichen zu setzen gegen die fehlende Entschuldigungskultur in den Schweizer Medien.

Auch Ringier akzeptiert das Urteil nicht, das Anfang Mai gefällt wurde. Man teile die Ansichten des Kantonsgerichts Zug in den beiden wesentlichen Punkten nicht, teilte der Verlag auf Anfrage mit. Ringier sei weiterhin der Meinung, dass die Feststellung einer Persönlichkeitsverletzung zu Unrecht erfolgt und entsprechend auch keine Genugtuung zuzusprechen sei. Deshalb haben man Berufung gegen das erstinstanzliche Urteil eingelegt.

In der Zivilklage ging es um einen Artikel, den der "Blick" am 24. Dezember 2014 publiziert hatte. In diesem zeigte das Boulevardblatt mit Namen und Bild die damaligen Zuger Kantonsratsmitglieder Spiess-Hegglin (Grüne) und Markus Hürlimann (SVP) und titelte: "Sex-Skandal um SVP-Politiker: Hat er sie geschändet?"

Die Persönlichkeitsverletzung lag laut den Richtern darin, dass Name und Bild eines mutmasslichen Opfers eines Sexualdelikts, also intime Daten, veröffentlicht worden waren. An der Veröffentlichung dieser Daten habe kein überwiegendes öffentliches Interesse bestanden.

(sda)


Anzeige
Anzeige

Das könnte Sie auch interessieren

Frauenstreik in Zeitungen auf einer Skala von
Schweiz

Frauenstreik in Zeitungen auf einer Skala von "Blick" bis "Zürcher Bote"

Am Tag des Frauenstreiks zeigt ein Blick in die Schweizer Zeitungen einen höchst unterschiedlichen Umgang mit dem Thema. Dieser lässt sich an einer Skala von "Blick" bis "Der Zürcher Bote" festmachen.

Marco Streller offenbar als FCB-Sportchef zurückgetreten
Sport

Marco Streller offenbar als FCB-Sportchef zurückgetreten

Marco Streller hat sein Amt als Sportchef des FC Basel niedergelegt. Der FC Basel bestätigt den Rücktritt. Dieser erfolge auf eigenen Wunsch des ehemaligen Internationalen. 

Die SP verteidigt in Adligenswil ihren Gemeinderatssitz
Regional

Die SP verteidigt in Adligenswil ihren Gemeinderatssitz

In der Luzerner Vorortsgemeinde Adligenswil hat die SP ihren Sitz im Gemeinderat verteidigt. Die Stimmberechtigten wählten die Sozialdemokratin Gisela Widmer als Nachfolgerin ihres Parteikollegen Pascal Ludin für den Rest der Amtsdauer 2016-2020.

Auto mit Wohnwagen auf A13 abegebrannt!
Schweiz

Auto mit Wohnwagen auf A13 abegebrannt!

Auf der Autostrasse A13 in Pian San Giacomo ist am Freitagvormittag ein Auto mit Wohnwagen in Brand geraten. Verletzt wurde niemand. Die Kantonspolizei Graubünden leitete den Verkehr über die Kantonsstrasse um.