Strafbar: Aargauerin hat mit gefundenem Passwort Mail des Ex-Partners gelesen


Roman Spirig
Regional / 04.06.19 12:34

Das Eindringen in ein passwortgeschütztes E-Mail-Konto ist auch dann illegal, wenn das Passwort zufällig gefunden wurde. Dies hat das Bundesgericht im Fall einer Frau aus dem Kanton Aargau entschieden.

Strafbar: Aargauerin hat mit gefundenem Passwort Mail des Ex-Partners gelesen (Foto: KEYSTONE / GAETAN BALLY)
Strafbar: Aargauerin hat mit gefundenem Passwort Mail des Ex-Partners gelesen (Foto: KEYSTONE / GAETAN BALLY)

Die Frau, die von ihrem Ehemann getrennt lebte, fand die Zugangsdaten auf einer Karteikarte notiert im ehemaligen gemeinsamen Büro ihrer Wohnung. Weil sie daran zweifelte, ob sie sich in das Mail-Konto einloggen durfte, recherchierte sie im Internet.

Sie erkundigte sich zudem bei einer Person in der Verwandtschaft, die als Staatsanwalt arbeitet. Der Verwandte war der Ansicht, dass damit kein Delikt begangen werde.

Dem ist aber nicht so, wie aus einem am Dienstag veröffentlichten Urteil des Bundesgerichts hervor geht. Die Art und Weise, wie ein Passwort beschafft werde, sei nicht entscheidend. Es bedürfe keines aktiven Handelns, damit der Tatbestand des unbefugten Eindringens in ein Datenverarbeitungssystem erfüllt sei.

Damit stützt das Bundesgericht den Entscheid des Obergerichts Aargau vom Oktober vergangenen Jahres. Das Bundesgericht teilt die Auffassung, wonach der Ehemann das Passwort unbewusst zurückgelassen habe und dies nicht als Einverständnis für einen Zugriff auf sein Mail-Konto zu verstehen sei.

Die zu einer bedingten Geldstrafe von 50 Tagessätzen zu 30 Franken und zu einer Busse von 300 Franken verurteilte Frau hatte geltend gemacht, es bedürfe einer erhöhten kriminellen Energie, wie beispielsweise bei einem Hacking-Angriff, damit man sich in einem solchen Fall strafbar mache.

Ohne Erfolg blieb auch das Argument der Frau, dass sie sich aufgrund der Auskunft des Staatsanwalts in einem so genannten Verbotsirrtum befunden habe. Da es sich dabei nicht um eine offizielle, behördliche Auskunft gehandelt habe, könne sie nicht darauf abstellen.

Zudem habe sie auch später nochmals im Internet recherchiert, wie die forensische Auswertung ihres Computer gezeigt habe. Sie habe somit das unbestimmte Empfinden gehabt, etwas Unrechtes zu tun. Dies schliesse einen Verbotsirrtum aus, schreibt das Bundesgericht. (Urteil 6B_1207/2018 vom 17.05.2019)

(sda)


Anzeige

Das könnte Sie auch interessieren

Gewinne den Jackpot von über 5000.- CHF im versteckten Wort auf Sunshine Radio
Paid Content

Gewinne den Jackpot von über 5000.- CHF im versteckten Wort auf Sunshine Radio

Sunshine Radio sucht jeweils von Montag bis Samstag um 7.50 Uhr ein Wort, das richtig viel Geld einbringen kann. Aktuell sind im Jackpot über Fr. 5000.-. Gesucht wird aktuell das fehlende Wort aus dem Satz von Endo Anaconda.

Tausende Luzernerinnen demonstrieren für Gleichberechtigung
Regional

Tausende Luzernerinnen demonstrieren für Gleichberechtigung

Tausende Luzernerinnen haben heutelautstark Gleichstellung mit den Männern in allen gesellschaftlichen Belangen gefordert. Am späten Nachmittag zogen sie in einem langen und lauten Demonstrationszug durch die Stadt.

VW-Bus kollidiert im Naxbergtunnel mit Auto
Regional

VW-Bus kollidiert im Naxbergtunnel mit Auto

Im Naxbergtunnel der A2 im Kanton Uri hat sich am Morgen ein Auffahrunfall ereignet. Ein Lenker wurde leicht verletzt.

Das ging Mega mässig schief für Messi - Argentinien mit Fehlstart
Sport

Das ging Mega mässig schief für Messi - Argentinien mit Fehlstart

Mitfavorit Argentinien ist der Start in die Copa America gegen Kolumbien missglückt. Das Team um den fünffachen Weltfussballer Lionel Messi kassierte zum Auftakt eine 0:2-Niederlage.